Grossglockner, höchster Berg Österreichs - Tour meines Lebens!

Für viele ist es ein Lebenstraum, für jeden der es geschafft hat, ist es ein unvergessliches Erlebnis, das so schnell nicht zu übertreffen sein wird.
Mit einem der Großglockner-Bergführer wird das ultimative 3.000er-Erlebnis Wirklichkeit.
In diesem Beitrag nehmen wir dich mit auf eine ganz persönliche Glocknertour!

Seit Monaten habe ich mich vorbereitet und nun ist es soweit. Die Besteigung des Großglockners steht vor der Tür. 3798 Höhenmeter warten auf mich und die Anspannung ist mir in‘s Gesicht geschrieben. Hoffentlich werden sich die vielen Stunden beim Joggen oder auf dem Fahrrad bezahlt machen. Die Ausrüstung ist noch nicht vollständig. Die fehlenden Teile besorge ich mir in Heiligenblut im Intersport Großglockner, denn die haben alles, was es braucht um den Großglockner erklimmen zu können.

Kondition passt, Gleichgewicht passt, Ausrüstung passt - dann kann es ja losgehen.

Die Anfahrt in die Nationalpark Lodge Großglockner vergeht wie im Fluge und die Überfahrt über die Großglockner Hochalpenstraße hinterlässt bei mir einen bleibenden Eindruck. Auch wenn meine Aufmerksamkeit auf das bevorstehenden Ereignis mich nicht alle Eindrücke bemerken lässt.

Angekommen in der Lodge in Heiligenblut fühle ich mich gleich gut aufgehoben. Alles Menschen um mich, in deren Gesichter die Erfahrung in den Bergen, geschrieben ist. Einchecken, Zimmer beziehen und auf‘s Bett fallen lassen. Herrlich - ich bin in Heiligenblut und der Großglockner ist direkt von meinem Bett aus zu sehen. Da bist du nun, du großer Berg mit all deiner Kraft, die uns Menschen nur zu Spielzeug macht wenn du zornig bist. Mit mir hast du es aber gut gemeint, denn das Wetter soll gut sein die nächsten Tage.

Ein wenig Zeit lasse ich mir aber noch. Morgen werde ich eine kleine Erkundungstour zur Akklimatisierung machen. Die Leute von der Lodge haben mir den Sandkopf empfohlen, ein sanfter Berg der passt perfekt, um die Gegend zu erkunden und meinen Körper auf die Höhe einzustimmen. Über die Apriacher Almen hinauf auf den Berg. Der Blick erstreckt sich mir vom Großglockner bis weit hinaus zu den karnischen Alpen. Die Grenze zwischen Kärnten und Italien. Ein Traum und die Vorfreude auf meinen großen Tag steigt bis in‘s Unermessliche.

Wieder im Hotel angekommen lasse ich mich noch einmal verwöhnen. Eine leichte Massage muss her. Während eine nette Dame mich massiert, bin ich leicht eingedöst und vollkommen im Gedanken versunken.

Um ca. 19.00 Uhr treffe ich noch meinen Heiligenbluter Bergführer - den „Mathias“. So wie er sich mir vorgestellt hat, wird er mich sicher auf den Berg bringen. Mit viel Ruhe und Gelassenheit erklärt er mir noch einmal die Tour, die die Leute aus der Lodge für mich wirklich super organisiert haben. Wir werden morgen gegen Mittag aufbrechen und über die Stockerscharte Richtung Salmhütte wandern.

Gut essen und früh ins Bett gehen ist für heute die Devise.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich in dieser Nacht nicht gut geschlafen. Die Aufregung und Vorfreude waren zu groß um tief und fest zu schlafen. Ich bin die Ausrüstung noch einmal durch gegangen: Steigeisenfeste Bergschuhe, Gamaschen, eine zweite Garnitur Unterwäsche, Sonnencreme, Erste Hilfe Paket, uvm. Die Leute vom Hotel haben mir bei der Anmeldung eine Checkliste geschickt, die mir bei der Vorbereitung wirklich sehr hilfreich war.

10.00 Uhr - jetzt geht es los. Mathias ist schon da und wir verladen die gesamte Ausrüstung in‘s Auto. Wir fahren die Großglockner Hochalpenstraße hinauf bis zum Glocknerhaus, wo wir unser Auto stehen lassen, da wir wieder hierher zurückkommen werden.

So wie Mathias es mir beschrieben hat, starten wir Richtung Stockerscharte. Der Aufstieg ist sehr gut zu bewältigen und wir gehen auch sehr langsam. Für mich ist dieses Tempo noch sehr ungewohnt aber wie ich später noch bemerken werde, Gold wert. Oben auf der Scharte angekommen machen wir eine kurze Rast und genießen den Ausblick hinunter ins Mölltal und auch in das Leitertal. Einfach beeindruckend und dabei sind wir erst am Anfang unserer Glocknerbesteigung. Wir wandern gemütlich über den Wiener Höhenweg weiter Richtung Salmhütte. Am halben Weg treffen wir zwei Jäger vom Nationalpark. Mathias kennt sie offensichtlich. Markus und Hias sind unterwegs und beobachten das Steinwild, das hier vor 60 Jahren wieder angesiedelt wurde. „Gut ist es beisammen, unser Steinwild“, sagt Markus mit freudigem Gesicht. Nach einem kurzen Plausch marschieren wir weiter und die beiden Nationalpark Ranger weiter ins Tal. Mathias erzählt mir noch, dass Hans Pichler – der Gründer der Nationalpark Lodge (früher Hotel Glocknerhof) - das Steinwild von der Schweiz geholt und hier am Großglockner wieder eingesetzt hat. Der muss ein echter Pionier gewesen sein. Und ich habe mir in der Lodge schon gedacht, dass die was mit diesem edlen Wild zu tun haben, denn das Steinwild ist im Hotel überall gegenwertig.

Nach ca. 3 Stunden sind wir bei der Salmhütte angekommen. Wir werden hier unser Nachtlager aufschlagen und morgen zeitig in der Früh den Großglockner angehen. Die Salmhütte liegt auf 2.644 m und ist der ideale Ausgangspunkt. Mathias erzählt mir, dass er hier am liebsten übernachtet. „Die Stüdelhütte ist ständig überfüllt und auf der Erzherzog Johann Hütte (Adlersruh) hast auch keine Ruh“, sagt er. Die Sonne scheint und ich erkunde in den späten Nachmittagsstunden noch einmal die Gegend um die Hütte. Saftige Almen umgeben sie und der Großglockner wirkt nun schon sehr nahe. Die Höhe macht mir noch nichts aus und ich kann mich wirklich gut akklimatisieren.

Am Abend geht’s in der Hütte noch recht zünftig zu. Einige andere Bergsteigergruppen mit ihren Bergführern sind auch da. Es wird gesungen und gespielt, bis dann irgendwann der Hüttenwirt die Sperrstunde ausruft, damit Ruhe in der Hütte einkehrt und alle gut schlafen können. Die Nacht wird kurz, denn wir starten schon um 03.00 Uhr unseren Gipfelaufstieg.

Es ist noch finster, aber ich habe noch nie in meinem Leben einen derartig beeindruckenden Sternenhimmel gesehen. Mir war nicht bewusst, dass es so etwas gibt. Es funkelt und glitzert wie in der Swarovski Kristallwelt - nur noch viel beeindruckender. Allein schon wegen diesem Sternenhimmel hat es sich ausgezahlt, hierher zu kommen. Mit der Stirnlampe am Kopf geht es nun Richtung Hohenwartscharte. Unsere Tour geht entlang dem Weg der Erstbesteiger, wo 1800 Graf Salm mit seiner Expedition von Heiligenblut aus den Großglockner das erste Mal bestiegen hat. Unter der Hohenwartscharte beginnt ein kurzes Schneefeld und wir ziehen unsere Steigeisen an. Etwas ungewohnt, aber mein Bergführer zeigt mir, wie es geht und nach ein paar Schritten komme ich schon recht gut damit zurecht. Sitzgurt und Seil sind ab nun unsere Lebensversicherung und wir werden sie erst wieder ablegen, wenn wir hier her zurückgekehrt sind. Nach zwei, drei Serpentinen im Schnee kommen wir zur Felswand, die zur Hohenwartscharte hinaufführt. Im Fels zu klettern liebe ich und die Wand ist gut mit Haken und Stahlseilen versichert. Oben auf der Scharte angekommen merkt man schon, dass das Tageslicht stärker wird und wir unsere Stirnlampen nicht mehr länger benötigen werden. Gegen Nord-Westen kann man die Lichter der Adlersruhe erkennen - unser Zwischenziel auf den Gipfel des höchsten Berg Österreichs. Der Weg dorthin führt über Fels, Schnee und Eis und ich bin froh oben angekommen zu sein. Ich spüre schon langsam, dass die Luft hier oben immer dünner wird und dass unser langsamer Schritt sehr gut gewählt war von Mathias, der mir zum ersten Etappensieg gratuliert und wir in der Hütte eine kurze Rast machen. In der Erzherzog Johann Hütte, die vom österreichischen Alpenclub betreut wird, ist es ziemlich ruhig, da die meisten Bergsteiger die hier heroben übernachtet haben, schon dem Gipfel entgegen unterwegs sind. Nur ein paar andere Bergsteiger sind noch da, die von Kals aus über die Stüdlhütte hier herauf gekommen sind. „Die schau‘n a bissl z‘rupft aus“, bemerkt Mathias schmunzelnd „die haben wohl in der stressigen Stüdlhütt‘n net viel gschlofn“.

Ein Kaffee und ein gutes Brot gibt uns die Kraft, die wir jetzt brauchen werden auf den letzten 344 Höhenmetern bis auf den Gipfel.

Meine Nervosität steigt und ich kann es kaum erwarten, endlich auf dem Gipfel des höchsten Bergs Österreichs zu stehen. Von vielen Erzählungen und Bildern bin ich gespannt, ob der Überstieg von Kleinglockner zum Großglockner wirklich so ausgesetzt und steil ist. Mit leicht zitternden Knien marschieren wir los. Mathias beruhigt mich ein wenig mit seiner ruhigen Stimme. „Des pock‘ ma schon“ und los geht’s. Zuerst über den Bahnhof - eine zuerst sanft und dann immer steiler werdenden Eisflanke -  hinauf zum Eisleitl. Die ersten Bergsteiger vom heutigen Tag kommen bereits zurück und ihre strahlenden Gesichter verraten mir ihre Zufriedenheit.                                                                                                                                                        

Vom Ausstieg im Eisleitl geht es über Fels und Eis weiter. Eiserne Stangen geben uns Sicherheit. Diese Stangen haben die ersten Bergführer am Glockner installiert, um diese schwere Passage sicher zu überwinden. Immer weiter hinauf bis auf den Kleinglockner. Ich merke, wie mir schön langsam die Angst in die Glieder fährt. Es ist ja noch viel steiler als gedacht und die Nordwand hat über 1000 Höhenmeter. Ich trau mich gar nicht richtig runter zu schauen und wenn Mathias nicht wär, wär hier für mich Schluss. Mein Herz rast. Zeit und Raum scheinen keine Rolle mehr zu spielen, aber mit kleinen Schritten und voller Konzentration kann ich die Schlüsselstelle überwinden. Vom Kleinglockner hinunter aufs Schartele eine ca. 10m lange und 30 cm breite Schneescharte, die Kleinglockner und Großglockner verbindet und die links und rechts über 1000m senkrecht in die Tiefe stürzt, stockt mir der Atem. „Schön langsam, i hob di und du schoffst des“, sagt Mathias ruhig und tatsächlich ich bin drüben! Dass ich da auch wieder zurück muss, spielt im Moment für mich keine Rolle. Jetzt sind es nur noch wenige Meter bis zum Gipfel.

Nach ein Paar steilen Höhenmeter wird der Gipfel wieder etwas flacher und Mathias lässt mich die letzten Meter bis zum Gipfel voraus gehen. „Heute ist dein Tag – die Tour deines Lebens!“ sagt er.

Ich kann es nicht fassen: ich stehe am Gipfel des Großglockners - am höchsten Berg von Österreich. Auf dem Berg, für den ich so hart trainiert habe und von dem ich schon so lange geträumt habe. Mein Herz schlägt wild und mir kommen vor Freude die Tränen. Der Blick ist atemberaubend. In allen Richtungen ist pure Freiheit. Hier oben zu sein ist reine Lebensfreude und Demut zugleich. Der Spruch am berühmten Glocknerkreuz bezeugt von der tiefen Ehrfurcht gegenüber der Schöpfung Gottes. Nach dem üblichen Berg Heil und den Gipfelfotos haben wir noch richtig lange Zeit, um unsere Blicke in die Ferne schweifen zu lassen. Wir sind alleine da heroben und auch Mathias, der schon so oft heroben war, wird ganz leise und andächtig. Jedes Mal ist es anders und der Berg macht etwas mit dir, das dich nicht mehr los lässt. Es sagt dir: „Sei Achtsam - du bist ein Teil vom Ganzen, nicht mehr aber auch nicht weniger.“

Ich könnte noch Stunden hier heroben verbringen, aber es ist Zeit wieder abzusteigen hinunter bis zur Salmhütte müssen wir es heute noch schaffen.

Beim Abstieg treffen wir noch zwei drei andere Gruppen, die noch den Gipfel bezwingen wollen. Jetzt habe ich das Lächeln der Zufriedenheit im Gesicht. Irgendwie ist meine Angst verflogen und der Abstieg fällt mir sehr leicht. Offensichtlich habe ich mich an die Steilheit und den Abgrund gewöhnt. Wir folgen demselben Weg ins Tal, den wir gekommen sind. Vorbei an der Adlersruhe über die Hohenwartscharte zur Salmhütte. Wir konnten dort mit zwei andern Gruppen, die den Gipfel heute geschafft haben, ausgelassen feiern. Die Bergführer Toni und Martin waren auch dabei und so hat der Hüttenwirt die Sperrstunde mit einem Augenzwinkern ein wenig verlängert. Ewig hat unsere Gipfelparty jedoch nicht gedauert, denn meine Augen konnte ich nicht lange aufhalten und bin zufrieden und glücklich in meinem Lager eingeschlafen.

Die ersten Sonnenstrahlen haben mich geweckt und die letzte Etappe meiner Glocknerbesteigung steht mir noch bevor. Der Abstieg von der Salmhütte bis zum Glocknerhaus. Erst jetzt, wo ich den Gipfel geschafft habe und meine Nervosität verflogen ist, bemerke ich so richtig die Schönheit dieses Hochtales. Die Murmeltiere pfeifen und trollen lustig in den Wiesen umher. „Da schau“, sagt der Mathias, „da ist die Majestät der Alpen, der Steinbock.“ Ich kann es kaum fassen beeindruckend steht er da auf einem Felsvorsprung und blickt auf uns herab mit seinen imposanten Hörnen. Sein Blick, als würde er uns noch einmal daran erinnern „sei achtsam - du bist ein Teil vom Ganzen, nicht mehr aber auch nicht weniger!“

Wir sind vor zwei Tagen in Heiligenblut aufgebrochen, um den Großglockner zu besteigen und nun bin ich wieder da in der Nationalpark Lodge Großglockner. „Berg Heil“ kommt mir von einer freundlichen Stimme an der Rezeption entgegen und nun weiß ich, dass ich es wirklich geschafft habe den höchsten Berg von Österreich zu erklimmen. Erschöpft aber unendlich dankbar für dieses Erlebnis. Mit diesem Gefühl gehe ich nach einer Massage und einem wirklich guten Essen und einem Gläschen Wein aus der Süd-Steiermark ins Bett. Ich werde noch ein paar Tage in Heiligenblut bleiben und die Ruhe hier genießen, bevor ich wieder meine Heimreise antrete.

Die Tour meines Lebens ist vollbracht.

 

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